Vom Schweinestall zum Altenteil

Vom Schweinestall zum Altenteil

Umbau und Sanierung eines Fachwerkanbaus in Rehlingen

Sanierung des ehemaligen Verwalterhauses

Mit großer Sorgfalt und viel Liebe zum Detail wurde beim Bauen im Denkmal auf historische Substanz und nachhaltige Materialien geachtet: Die Fassade besticht durch eine Fachwerkausmauerung aus alten, aufbereiteten Steinen. Eine natürliche Lehmdämmung mit Lehmputz und Lehmfarben sorgt für ein gesundes Raumklima. Denkmalgerechte Fenster fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein und unterstreichen den besonderen Charakter des Hauses. Ein gelungenes Zusammenspiel von Tradition und zeitgemäßem Wohnen!
Leistungsphasen 4-5

Status
fertiggestellt
Kategorie
Bauen im Bestand
Ort
Rehlingen
Größe
NF 130 m²
Budget
-
Zeitraum
2023 - 2025

 

Im Wandel
    der Zeit

Zur Schaffung von Wohnraum für den Verwalter des Gutshofes, entstand in den 1950er-Jahren ein Anbau an das unter Ensembleschutz stehende Stallgebäude.
Was einst den Schweinen als Zuhause diente, wurde in den 1970er-Jahren dann ebenfalls Teil des Wohnbereichs.

2024 erfolgte dann die umfassende Sanierung mit vollständiger Entkernung und einer Neugestaltung der Grundrisse. Dabei wurden die historischen Strukturen der Gebäudeteile wiederhergestellt und behutsam in ein zeitgemäßes Wohnkonzept integriert. Das Ergebnis ist ein modernes Altenteil, das den Charakter des historischen Gebäudes bewahrt und zugleich heutigen Wohnansprüchen gerecht wird.

neue Diele
im Dialog mit der Geschichte

Die frühere Treppe ins Obergeschoss war sehr steil. Der neue, großzügige Dielenbereich schafft mehr Raum und verbindet Alt und Neu auf besondere Weise. Die halbgewendelte Stahlwangentreppe mit Eichenstufen aus dem eigenen Forstbetrieb sorgt für mehr Komfort und schafft zugleich eine klare räumliche Verbindung zwischen den Geschossen.

Ein Highlight ist die freigelegte ehemalige Stallaußenwand: Sie wurde mit historischen Steinen sorgfältig wieder ausgemauert und ist heute über beide Geschosse sichtbar – ein prägendes Gestaltungselement mit starkem Bezug zur Geschichte des Gebäudes.

falscher Mörtel,
neue Steine,
marode Balken

Fachwerkhäuser sind auf diffusionsoffene, „atmende“ Baustoffe angewiesen. Holz, Lehm und kalkhaltige Mörtel können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben.

In den 1950er Jahren wurden die Gefache mit einfachen roten Ziegelsteinen und Zementmörtel ausgemauert. Zementbasierter Mörtel härtet starr aus, wodurch unweigerlich Risse zwischen Mörtel und dem arbeitenden Holz entstehen. Über die Risse dringt Feuchtigkeit in die Fassade ein und führt zu Schäden an Fachwerk und Mauerwerk.

neues Gefach links mit Lehm-Muschelkalkmörtel und alten Steinen


Die alten Gefache wurden vollständig zurückgebaut und anschließend sorgfältig neu ausgefacht. Dabei kamen im Trockeneisverfahren gereinigte Steine aus einem Abbruchstall sowie ein Lehm-Muschelkalkmörtel zum Einsatz, der sich harmonisch in die historische Bausubstanz einfügt. Beschädigte Balken und Ständer wurden behutsam ausgetauscht und in traditioneller Zimmermannsarbeit ergänzt.

 

Für die Innendämmung der Außenwände kam eine Kombination aus Hanf und Stampflehm zum Einsatz. Das System verbindet hervorragende bauphysikalische Eigenschaften mit einer natürlichen, diffusionsoffenen Bauweise. Die Hanfanteile sorgen für eine gute Dämmwirkung, während der Stampflehm Feuchtigkeit puffert und ein ausgeglichenes Raumklima unterstützt.

Eine Innendämmung
aus Hanf-Stampflehm

Besonders im Fachwerkbau ermöglicht diese Konstruktion einen behutsamen Umgang mit der historischen Bausubstanz und trägt dazu bei, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig zeitgemäßen Wohnkomfort zu schaffen.

 

 

 

Wieder­verwendet

Bauen muss nachhaltiger werden!

Recycling von Bau­materialien trägt dazu bei natürliche Ressourcen zu schonen, Abfälle zu vermeiden und somit unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
So sollte Zirkularität im Bauen nicht nur im Bereich des Denkmalschutz Normalität werden. Ganz in diesem Sinne wurden die alten Dachziegel des Stall­gebäudes behutsam und vorsichtig abgedeckt. Im Anschluss in der selbst­gebauten Halte­vorrichtung ab­gestrahlt und ge­säubert, um später wieder­verwendet zu werden.

 

 

Bilder & Planmeterial:  q:arc Architektur | Design

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