Amtsgericht Dannenberg

In Amt und Würden

Sanierung eines denkmalgeschützen Ensembles in Dannenberg

Sanierung des Amtsgerichts
Dannenberg (Elbe)

Nach einer aufwendigen Nachgründung der Gebäude wurde das Ensemble umfangreich komplettsaniert. Das Fachwerkgebäude von 1847 erhielt eine Innendämmung aus Leichtlehm und Lehmputz. Der Massivbau von 1913 wurde energetisch ertüchtigt. Beide Gebäude verbindet nun ein Neubau mit Aufzug und Treppenhaus für einen barrierefeien Zugang.
Mit den neu gestalteten Freianlagen und dem Waldemarturm lädt das Ensemble auf dem Amtsberg zu Gericht.

Status
fertiggestellt
Kategorie
Bauen mit Bestand
Ort
Dannenberg
Größe
1.860 m²
Leistungsphase
3-8
Zeitraum
2024 - 2026

In neuer Robe

Gerichtet wird künftig im neuen Gewand: im dezenten Kolorit des Großen Saales im Amtsgericht Dannenberg.
Sein neues Erscheinungsbild verdankt sich historischen Farbbefunden und ist eine Referenz an die 1960er Jahre, seit welchen der ehemalige Festsaal zur Rechtssprechung dient.
Im Zusammenspiel mit dem Graugrün des Lambris, der Eiche des Fischgrätparketts und der weißen Wandgestaltung entsteht ein harmonischer Dreiklang, der dem Raum eine fast meditative Atmosphäre verleiht.

     Ratio et
        Passio

Kühle Ratio trifft auf erdige Wärme:
Im Massivbau brachten dendrochronologische Untersuchungen den graugrünen Farbton aus den 1960er Jahren ans Tageslicht - aus der Zeit, in der die beiden Baudenkmäler als Gerichtsgebäude in Nutzung gingen.
Sichtbar wurde dabei ein Farbsockel mit Aalstrich, welchen der Massivbau zeitgemäß übersetzt und somit auf die eigene Geschichte rekurriert.

 

Im Fachwerkgebäude hingegen schaffen Lehmwände haptische, lebendige Oberflächen - sie wurden in historischer Bauweise ausgeführt und verweisen auf traditionelles Handwerk.
In Summe werden damit nicht nur bei Baudenkmalpflegern Verstand und Gefühl
- gleichermaßen - stimuliert ...

Fundstücke

Die Freilegung des Bestands ist ein aufregender Prozess, der oft unerwartete Schätze zutage fördert.

 

 

Reframed

Die freigelegten Farbanstriche erinnern an abstrakte Kunst - und erzählen ihre eigene Geschichte ganz konkret: In Zeitschichten, die gezielt ins Bild gesetzt werden und in Fluren wie in Büros ihren Platz erhalten.
Hier: eine psychedelisch anmutenende Malerei, die an die Kirche in Tripkau erinnert.  Dort: eine historische Sockelmalerei, die dem Massivbau als Vorbild diente - oder auch mal einfache Farbanstriche, die an alte Kreidetafeln denken lassen, wie die Bauherrin treffend bemerkte.

 

Holz Stein Lehm

 

 

Lange Zeit lag das historische Fachwerk verborgen hinter Gipskarton. Nun kommt es zum Vorschein und zeigt sich nach über 250 Jahren in voller Pracht. Das Holz trägt seine Spuren und zeigt manche Narbe. Die Lehmziegel in den Gefachen sind deutlich sichtbar und bilden unter der aufgebrachten Lehmschlämme ein starkes Relief.

Rustikal und ...
offen ...sichtlich schön!

 

Es ist ein Stegel!

Stegel - so lautet die Bezeichnung für die ortstypischen Verbretterungen von Traufgassen. Genau daran erinnert der neue Verbindungsbau, der zwischen den Bestandsgebäuden zukünftig einen barrierefreien Zugang ermöglicht. Die historische Referenz zum Stegel wird abgebildet durch die vertikal ausgerichtete Eichenfassade. Auf den zweiten Blick werden weitere historische Zitate erkennbar: beispielsweise die Geschossversprünge der Boden-Deckelschalung oder die motivische Transformation von Fensterflügel und Oberlicht - im neuen, über vier Meter hohen Fenster, dass den Waldemarturm gegenüber rahmt.

Der Neubau zwischen Massivgebäude und Fachwerkbau ermöglicht den barrierefreien Übergang. Die Westfassade des Fachwerkbaus wurde durch Schlagregen stark beansprucht, zum Schutz erhält auch sie eine Deckelschalung.

Fotos: Thorsten Scherz Fotografie - www.thorstenscherz.de
Planmaterial & Fotos während der Bauphase: q:arc Architektur | Design

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